Flexibilität in Haushalten ist eines der größten ungenutzten Wachstums-Potentiale der Energiewende. Zwei aktuelle Studien zeigen, wie groß dieses Potential ist und warum es bisher kaum erschlossen wird.
Wärmepumpen, E-Autos, Heimspeicher, Waschmaschinen: In deutschen Haushalten steht inzwischen ein riesiger Pool an verschiebbarem Stromverbrauch. Laut dem Flexibilitäts-Check 2026 von E.ON und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) ließen sich 2026 theoretisch bis zu 18,3 TWh verschieben. Bis 2031 erwarten die Autoren bis zu 34 TWh, vor allem durch mehr Heimspeicher und E-Autos.
Auch finanziell ist das Potential erheblich. Nach derselben Studie könnten deutsche Haushalte durch zeitlich verschobenen Verbrauch bis zu 1,65 Mrd. € im Jahr sparen, ohne eine Kilowattstunde weniger zu verbrauchen. Diese Zahl haben wir bereits in unserem Beitrag „1,65 Mrd. € Ersparnis pro Jahr“ vorgestellt. Arthur D. Little beziffert den Wert von Haushaltsflexibilität für das europäische Energiesystem sogar auf 24 bis 58 Mrd. € pro Jahr.
Zwei Zahlen, zwei Perspektiven
- 1,65 Mrd. € (E.ON/FfE) gilt nur für Deutschland und misst, was Haushalte auf ihrer Stromrechnung sparen könnten. Rund 0,8 Mrd. € davon entfallen auf steuerbare Anlagen wie Wärmepumpe, E-Auto und Heimspeicher. Die übrigen rund 0,9 Mrd. € kommen von Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine, deren Betrieb heute meist von Hand verschoben werden müsste.
- 24–58 Mrd. € (Arthur D. Little) gilt für Europa und bezieht sich auf das gesamte Energiesystem. Gemeint ist der Wert, den Flexibilität dort stiftet, etwa beim Ausgleich schwankender Erzeugung, beim Senken von Lastspitzen und beim Vermeiden von Netzausbau. Dies ist aber nicht auf der Stromrechnung des Haushaltes sichtbar. Versorger, Aggregatoren und Netzbetreiber profitieren am meisten.
Genau da setzt das Geschäftsmodell von Ladon Energy an: Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass Flexibilität die neue Währung im Energiemarkt wird!
Warum dieses Potential bisher ungenutzt bleibt
Die Zahlen sind theoretische Obergrenzen. Dass sie heute nur zu einem kleinen Teil gehoben werden, hat zwei Gründe.
Haushalte wollen keine Strommarkt-Experten werden. Arthur D. Little beschreibt, dass Verbraucher niedrigere Rechnungen, Zuverlässigkeit und Einfachheit wollen, nicht Börsenpreise. Die YouGov-Umfrage im Flexibilitäts-Check bestätigt das für Deutschland: 48 % der Befragten würden einen Tarif mit festem Arbeitspreis und Flexibilitätsbonus wählen, nur 14 % einen dynamischen Tarif. Gleichzeitig wissen nur 46 %, was solche Tarife überhaupt sind. Die Bereitschaft ist da: 68 % würden größere Verbräuche verschieben oder automatisch verschieben lassen, wenn sie davon profitieren.
Den Anbietern fehlt oft der Blick ins Haus. Ein Versorger, der seinen Kunden einen günstigeren Strompreis für das E-Auto oder die Wärmepumpe anbietet, finanziert diesen Rabatt, indem er den Verbrauch in günstige Stunden verlegt und die gewonnene Flexibilität am Strommarkt nutzt. Dafür muss er zwei Dinge können. Er muss vorab einschätzen, wie viel Verbrauch sich in jedem Haushalt verschieben lässt: Wann ist das Auto angesteckt, wie voll soll der Akku am Morgen sein, wie viel Wärme braucht das Haus? Und er muss sich darauf verlassen können, dass die Geräte den geplanten Fahrplan dann auch einhalten. Wird das Auto später angesteckt oder muss die Wärmepumpe gerade heizen, fehlt die eingeplante Flexibilität, und der Versorger trägt die Kosten.
Beides gelingt laut Arthur D. Little deutlich besser, wenn die steuernde Plattform weiß, wie sich jedes Gerät in der Vergangenheit verhalten hat, und wenn sie alle Geräte im Haus im Blick hat statt nur ein einzelnes.
Wir gehen mit unserem Ansatz sogar noch einen Schritt weiter: Es reicht nicht, den Lastgang der Vergangenheit zu analysieren, sondern wir müssen den Lastgang der nahen Zukunft antizipieren können!
Was das bedeutet
Der Markt für Flexibilität entscheidet sich nicht an der Frage, ob es genug flexible Geräte gibt. Die gibt es, und es werden schnell mehr. Er entscheidet sich daran, ob Versorger, Aggregatoren und Netzbetreiber genau genug sehen, was in den Haushalten passiert.
Genau hier setzt Ladon Energy an. Wir messen Strom und Spannung am Hausanschluss mit 20.000 Messungen pro Sekunde. In den nächsten Beiträgen zeigen wir, welche Erkenntnisse wir aus diesen Daten gewinnen können und warum diese Informationen für Netzbetreiber und Flexibilitätsanbieter wertvoll sind.
Heute: hochaufgelöste Messung von Strom und Spannung am Hausanschluss, Dashboard und Datenexport.
Vision: aus diesem einen Messpunkt Flexibilität sichtbar, planbar und überprüfbar machen.
Quellen: E.ON/FfE, Flexibilitäts-Check 2026 · Arthur D. Little / Enode, Scaling Residential Flexibility (2026)
